Pressespiegel

Der Masterstudiengang Plurale Ökonomik geht zum Wintersemester 2018 ins dritte Jahr. Neben der Schaffung der Forschungsstelle „Plurale Ökonomik“ sowie der Auflage eines Stipendiatenprogramms profitiert der Studiengang zuletzt auch von der Berufung von Dr. Svenja Flechtner auf die neugeschaffene Juniorprofessur für Plurale Ökonomik.

Das mediale Interesse am Studiengang bleibt indessen ungebrochen. Anhand der Presserückschau des vergangenen Jahres lassen sich einige Besonderheiten des Studiengangs und die Entwicklung der Siegener Pluralen Ökonomik nachzeichnen.

Die Frankfurter Rundschau beschreibt den Siegener Masterstudiengang „Plurale Ökonomik“ als ein „Pflänzchen des Wandels“ hin zu einer „Öffnung des Lehrkanons für ignorierte Theorien“ (16.05.2018, Frankfurter Rundschau). Ein optimistisches Bild für die Disziplin beschreibt auch Prof. Nils Goldschmidt in der Wirtschaftswoche (01.09.2018): Er sieht die Plurale Ökonomik auf Wachstumspfad und verweist unter anderem auf Gespräche mehrerer Universitäten zu einem gemeinsamen Graduiertenprogramm für Plurale Ökonomik. Derweil nimmt die Universität Siegen mit einem neu geschaffenen Stipendiatenprogramm, welches „plurale Perspektiven“ auf die Zusammenhänge von globalen Wertschöpfungsketten und wirtschaftlicher Entwicklung werfen soll, bereits eine Vorreiterrolle ein.

Der Masterstudiengang setzt auf die Ausbildung ethisch und wissenschaftstheoretisch reflektierter Ökonomen. Dabei liegt den Dozierenden die Entfaltung der Sprach- und Diskursfähigkeit der Studierenden am Herzen. So sollen die Absolventen in Siegen in der Lage sein „tatsächlich Argumente auch in die Diskussion einzubringen, um […] Diskurse in der Öffentlichkeit zu führen“ (Goldschmidt, Deutschlandfunk, 16.04.2018). Die ethischen Dimensionen unserer Wirtschafts- und Lebensweise sowie Menschenbilder abseits des homo oeconomicus thematisiert Prof. Gustav Bergmann neben dem Hörsaal im Rahmen von Praxisprojekten sowie in der Westfalenpost (7.01.2018, 28.06.2018).

Ein wichtiger Bestandteil des Masterprogramms – insbesondere im Bereich der politischen Ökonomie – stellt das Studium von Primärtexten dar. So diskutieren die Studierenden beispielsweise Schriften des wichtigen Vertreters der Historischen Schule Gustav von Schmoller. Die Siegener Professorenschaft der Pluralen Ökonomik teilt dabei dessen Auffassung, dass sich „eine Wirtschaftswissenschaft, die gesellschaftliche Relevanz entfalten will, […] nicht allein auf formale Modelle und abstrakte Deduktionen stützen [kann], sondern […] die Wirtschaft in Kultur und Geschichte eingebettet verstehen und philosophische und psychologische Erkenntnisse einbeziehen [muss].“ (Goldschmidt, Süddeutsche Zeitung, 26.06.2017). Gleichwohl will Jun-Prof. Svenja Flechtner Plurale Ökonomik nicht als Mathematikkritik falsch verstanden wissen, wenn sie gegenüber der Wirtschaftswoche betont: „plural zu forschen erfordert ein hohes analytisches Denkvermögen, weil mit unterschiedlichem Vokabular und unterschiedlichen Ansätzen umgegangen werden muss.“ Einheitlich stellen die Siegener Dozierenden das hohe Anspruchsniveau des Studiengangs heraus (z. B. Goldschmidt, Süddeutsche Zeitung, 08.01.2018).

Die plurale Theorie- und Methodenbildung steht des Weiteren nicht ohne Bezug zu realweltlichen wirtschaftlichen Fragestellungen. So sollen die Studierenden in der Lage sein „[m]ündig über wirtschaftliche Dinge nach[zu]denken“ (Goldschmidt, Deutschlandfunk, 16.04.2018) oder anders formuliert: Die Studierenden sollen lernen den „Reichtum der ökonomischen Theorien zu nutzen“ um sich „besser selber ein Urteil bilden zu können“ (Goldschmidt, Deutschlandfunk, 15.09.2018). Die Bedeutung einer informierten Debattenkultur betont Prof. Nils Goldschmidt auch in einem weiteren Betrag zur Sozialen Marktwirtschaft in der Süddeutschen Zeitung: „Wirtschaftspolitische Entscheidungen sind nicht nur die Sache der ökonomischen Theorie, sondern sollten immer auch Gegenstand informierter, öffentlicher Debatten sein.“ (01.06.2018)

Die Bedeutung aktueller wirtschaftlichen Fragestellungen im Studiengang spiegelt auch die ARD-Dokumentation „Welt ohne Geld“ wieder, die Studierende bei Ihrer Recherche zu neuen Zahlungsmethoden begleitete. Gleichzeitig verdeutlicht der Beitrag beispielhaft, wie die Thematik der Einbettung von Wirtschaft in Gesellschaft praktisch aufgegriffen wird, indem die Studierenden dazu angeregt werden, Fragen des Datenschutzes im Zahlungsverkehr kritisch zu beleuchteten (ARD, Welt ohne Geld, 30.07.2018; vgl. auch Peukert, Südkurier, 17.08.2018). Wie das Aufsetzen verschiedener “Denkschulen-Brillen“ ein Mehr an Erkenntnis generiert, demonstriert des Weiteren ein Beitrag des Deutschlandfunks in der Beobachtung der Einführungsveranstaltung Plurale Ökonomik von Prof. Helge Peukert. Hier stellt der Dozent beispielhaft Interpretationsansätze des Post-Keynesianismus denen der Österreichischen Schule gegenüber und schließt mit den Worten: „So, und jetzt können sie sich sagen, wer hat denn Recht? Irgendwo beide.“ (Peukert, Deutschlandfunk, 10.11.2017).

Der Siegener Pluralen Ökonomik geht es folglich nicht um die Ablehnung einzelner Denkschulen, sondern um die Koexistenz verschiedener Paradigmen. Dabei stehen für den Postwachstumsökonomen Prof. Niko Paech brennenden Fragen unserer Zeit, insbesondere im Bereich Umweltschutz und Klimapolitik, im Vordergrund (u. a. ZDF heute+, 10.08.2018; Süddeutsche Zeitung, 23. Dezember 2017; Blick, 25.11.2017). Vor diesem Hintergrund weist der Ökonom auf die Bedeutung pluraler Perspektiven hin: „Dringend benötigt wird ein unvoreingenommenes Nebeneinander unterschiedlicher Gegenwartsanalysen und ökonomischer Zukunftsentwürfe, die wir Wissenschaftler der Gesellschaft anbieten können.“ (Deutsche Welle, 05.02.2018). Eine Auffassung, die alle Siegener Dozierenden teilen. Dabei sind „[h]eterodoxe Ansätze in der Wissenschaftswissenschaft […] kein Substitut für die Mainstream-Ökonomie, sondern eine wichtige und notwendige Ergänzung“ (Goldschmidt, Wirtschaftswoche, 01.09.2018). Die gemeinsame Überzeugung der Siegener Pluralen Ökonomen resümiert Jun-Prof. Svenja Flechtner wie folgt: „Der Gedanke hinter der Pluralen Ökonomie ist eigentlich unspektakulär: Das beste Argument zählt“ (Wirtschaftswoche, 15.08.2018). Für den Streit um das beste Argument schafft der neue Masterstudiengang z. B. im Rahmen der Ringvorlesung immer wieder offene Diskursräume. Für das kommende Wintersemester sei hier auf eine Vortragsreihe zum Thema „Wie politisch ist die (Plurale) Ökonomik“ verwiesen.

(Stand: Oktober 2018)

 

Links zu allen Beiträgen:

„Wambach: ‚Das ist ein absurder Vorwurf'“, Mannheimer Morgen, 07.11.2018

„Wie die Finanzkrise verändert hat, was in der Ökonomie gelehrt wird“, Deutschlandfunk, 15.09.2018

„Wir brauchen ein breiteres Spektrum in der ökonomischen Ausbildung“, Wirtschaftswoche, 01.09.2018

„Die VWL steckt in der Sinnkrise“, Wirtschaftswoche, 15.08.2018

„Welt ohne Geld“, ARD Dokumentation, 30.07.18

„Wirtschaft für den Menschen“, FAZ, 01.06.2018

„Kein Raum für Dogmen an Unis“, Frankfurter Rundschau, 16.05.2018

„Man muss den Kapitalismus nicht lieben – aber verstehen“, Deutschlandfunkt Kultur, 16.04.2018

„Wir sollten nur 20 Stunden arbeiten“, Deutsche Welle, 05.02.2018

„Mehr als Singen, Spielen und Klatschen“, Süddeutsche Zeitung, 08.01.2018

„Siegener Wissenschaftler: „Gerechtigkeit schafft Sicherheit““, Westfalenpost, 07.01.2018

„Langsam reicht’s“, Süddeutsche Zeitung, 23.12.2017

„Wirtschaftswissenschaften reagieren träge“, Deutschlandfunk, 10.11.2017